EMM-Check® 4.4.0.0 - Klassifizierung
Die Genauigkeit der Berechnungsergebnisse der Sichtfeldanalysen sowie von einigen Voranzeigen wurde durch eine neue Klassifizierung verbessert.

Was ist die Klassifizierung?
Die Klassifizierung dient dazu, Berechnungsprozesse für Voranzeigen, die Ausrichtungsermittlung des Lichtquellenträgers (senkrecht zur Geometrie) sowie die Berechnung von realen Spiegel- und Kamerasichtfeldern zu beschleunigen. Dazu wird im Hintergrund ein entsprechendes Datenmodell erzeugt und bei jeder Geometrieänderung aktualisiert.

Klassifizierung in EMM-Check® 4.3.9.4
Die bisherige Klassifizierung verwendete eine Standardtoleranz von 10 mm. Diese Toleranz konnte auf 2 mm, 5 mm, 10 mm, 20 mm, 40 mm und 60 mm angepasst werden und wurde dazu verwendet, ein "Voxel-Modell" der Fahrzeuggeometrie zu erzeugen. Voxel sind 3D-Pixel, also kleine Würfel. Bei einer Toleranz von 10 mm wurde die Fahrzeuggeometrie durch ein Voxel-Modell repräsentiert, bei dem jedes Voxel eine Kantenlänge von 10 mm hatte. Gröbere Toleranzen führten daher zu schnelleren Berechnungen, aber auch zu ungenaueren Ergebnissen.

Reales Spiegelsichtfeld,<br>Klassifizierungstoleranz 60mm
Reales Spiegelsichtfeld,
Klassifizierungstoleranz 60mm
Reales Spiegelsichtfeld,<br>Klassifizierungstoleranz 2mm
Reales Spiegelsichtfeld,
Klassifizierungstoleranz 2mm


Das Voxel-Modell wurde immer so aufgebaut, dass die gesamte Fahrzeuggeometrie von Voxeln abgedeckt war. Dadurch wurde das Fahrzeug "größer" im Bereich der gewählten Toleranz.

Fahrzeugdaten in EMM-Check®
Fahrzeugdaten in EMM-Check®
Voxel-Modell mit 10mm Toleranz
Voxel-Modell mit
10mm Toleranz
Voxel-Modell mit 60mm Toleranz
Voxel-Modell mit
60mm Toleranz


Klassifizierung in EMM-Check® 4.4.0.0
Die neue Klassifizierung arbeitet exakt auf der Fahrzeuggeometrie, also ohne Voxel. Somit gibt es keine Toleranz mehr. Sie ist marginal langsamer als die alte Klassifizierung in EMM-Check® 4.3.9.4, dies wird aber durch die präziseren Ergebnisse wieder ausgeglichen.
Durch die Umstellung der Klassifizierung ergeben sich Änderungen in den Analyseergebnissen, den Spiegel- und Kamerasichtfeldern sowie einigen Voranzeigen. Diese sind im Folgenden beschrieben.

Auswirkungen auf Analyseergebnisse (direkte Sicht)
Bei der Berechnung der direkten Sicht ist in den meisten Sichtfeldstandards die Ausrichtung des Lichtquellenträgers senkrecht zur Geometrie relevant. Zur Erkennung der Geometrie wird hierbei die Klassifizierung genutzt. Das ist bei allen "Prüfkreis-Standards" wie z. B. der ISO 5006:2017 oder der StVZO §35b Abs.2 Rili 11 so. Bei den Sichtfeldstandards für Flurförderzeuge, wie z. B. der ISO 13564, ist das nicht so, da dort feste Winkel für die Ausrichtung des Lichtquellenträgers verwendet werden.
Durch die neue Klassifizierung weicht die Ausrichtung des Lichtquellenträgers im Vergleich zu EMM-Check® 4.3.9.4 ab. In der Folge können auch die berechneten Verdeckungen auf dem Prüfkreis und auf den RBs abweichen, da die Ergebnisse nun genauer sind als zuvor. Die Abweichungen sind in der Regel allerdings sehr klein. Lediglich bei Szenarien, bei denen sehr viele vertikale Komponenten (z. B. ein Schutzgitter vor der Windschutzscheibe) verbaut sind, kann es zu größeren Abweichungen kommen, da mit der neuen Klassifizierung jede einzelne Strebe des Schutzgitters erkannt wird, während mit der alten Klassifizierung je nach Blickwinkel ggf. zwei Streben als "eine Strebe" erkannt wurden, und der Lichtquellenträger somit senkrecht mittig zu beiden Streben ausgerichtet wurde.
Die Berechnungsmethoden zur Berechnung der Verdeckungen sind von der neuen Klassifizierung nicht betroffen.

Beispiel
Die folgenden Bilder zeigen die Geometrieerkennung zur Ausrichtung des Lichtquellenträgers in EMM-Check® 4.3.9.4 (links) und EMM-Check® 4.4.0.0 (rechts) in der Draufsicht. Die schwarzen Kreise stellen vertikale Streben dar (z. B. von einem Schutzgitter). Die hellblauen Boxen im linken Bild stellen die Voxel der bisherigen Klassifizierung dar. Der orangene Punkt ist der Augpunkt bzw. der Drehpunkt des Lichtquellenträgers. Die roten Linien zeigen die erkannten Begrenzungen der Geometrie - im linken Bild basierend auf den Voxeln, im rechten Bild auf Basis der exakten Geometrie. Die blauen Linien zeigen die resultierende Ausrichtung des Lichtquellenträgers.

Erkennung von vertikalen Komponenten in <b>EMM-Check®</b> 4.3.9.4
Erkennung von vertikalen
Komponenten in EMM-Check® 4.3.9.4
Erkennung von vertikalen Komponenten in <b>EMM-Check®</b> 4.4.0.0
Erkennung von vertikalen
Komponenten in EMM-Check® 4.4.0.0


Im linken Bild werden die Streben 1 und 2 als "eine" Strebe erkannt, da die Streben durch die Klassifizierung "dicker" sind als die exakte Geometrie. Insgesamt werden drei resultierende Lichtquellenträgerausrichtungen erkannt.
Im rechten Bild werden alle Streben durch die genauere Klassifizierung erkannt und entsprechend vier resultierende Lichtquellenträgerausrichtungen erkannt. Es ist zu erwarten, dass in einem solchen Szenario die resultierenden Verdeckungen etwas kleiner sind als in EMM-Check® 4.3.9.4.
Die grauen Linien im rechten Bild entsprechen den resultierenden Lichtquellenträgerausrichtungen aus dem linken Bild. Die Abweichungen ergeben sich in diesem Beispiel also hauptsächlich für die Streben 1 und 2.

Auswirkungen auf Analyseergebnisse (indirekte Sicht)
Die Berechnung von Spiegel- und Kamerasichtfeldern basiert ebenfalls auf der Klassifizierung. Durch die genauere Klassifizierung werden diese nun in der Regel etwas größer, da die Fahrzeuggeometrie genauer berücksichtigt wird.
In der Folge kann es zu Abweichungen in den Analyseergebnissen kommen, da eine Verdeckung nun ggf. besser durch ein Spiegel- oder Kamerasichtfeld eliminiert wird. Generell werden die Verdeckungen der direkten Sicht also kleiner und die Analyseergebnisse damit besser.
Die gleichen Abweichungen gibt es auch bei Positionierungssichtfeldern in allen relevanten Standards sowie in manuell erzeugten Sichtfeldern. Diese dienen allerdings nur zur Ausrichtung von Spiegeln und Kameras und sind nicht analyserelevant.

Auswirkungen auf Voranzeigen
Die Voranzeigen "Strecke", "Schatten", "Panorama 3D", "Reflexion" und "Visibility Map" nutzen die Klassifizierung und die Ergebnisse sind somit nun genauer als zuvor.

Klassifizierung ein-/ausschalten
Es wurde eine neue Option in den Einstellungen implementiert. Mit dieser kann die Aktualisierung der Klassifizierung ausgeschaltet werden. Dadurch führt EMM-Check® weniger Updates aus und ermöglicht so z. B. eine schnellere Positionierung sichtrelevanter Geometrie.
Bei allen relevanten Funktionen, wie den genannten Voranzeigen oder wenn eine Analyse gestartet wird, erfolgt aber immer eine Klassifizierung, um korrekte Ergebnisse sicherzustellen.

Benutzeroberfläche   |   Funktionen   |   Standards   |   Verbesserungen


Zurück

×